Vom Nikolaus zum Weihnachtsmann

Jeden 6. Dezember ist es soweit. Kleine und auch Große putzen Ihre Stiefel und stellen diese an die Tür, damit der Nikolaus es einfach hat sie mit Süßigkeiten, Nüssen oder Obst zu füllen.

Aber wieso tun wir das eigentlich und gibt es ein historisches Vorbild zu unserem rot-gekleidetem Nikolaus?

 

 

Nun tatsächlich gab es einen Nikolaus von Myra und einen gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war. Der Eine lebte um das Jahr 300 und starb an einem 6. Dezember. Vom Anderen wissen wir, dass er ebenfalls im Dezember aber erst im Jahre 564 gestorben ist. Da Beide den gleichen Namen trugen und aus einer ähnlichen Region kamen, verschmolzen im Laufe der Jahrhunderte die Geschichten und Legenden um die Beiden zu den Geschichten von St. Nikolaus.

 

Viel ist historisch nicht belegt. Was man aber sicher sagen kann ist, dass Nikolaus von Myra sein ererbtes Vermögen unter den Armen verteilte. Ob dies alleine als Nährboden für die vielen Sagen und Legenden um St. Nikolaus gereicht hat, oder ob die Beiden noch viel mehr getan haben, um die heutigen „Verehrung“ und Bräuche zu rechtfertigen, kann heute keiner mehr sagen.

 

Es gibt aber Legenden, die unsere heutigen Bräuche erklären, wie  z.B. die Legender der Mitgiftspende:

 

Da ein verarmter Mann seinen drei Töchtern aus Geldnot mit keiner ausreichenden Mitgift ausstatten konnte, beschloss er stattdessen sie als Prostituierte zu verkaufen. Nikolaus erfuhr von dieser Notlage und warf in drei aufeinander folgenden Nächten Gold durch den Kamin des Hauses. Je nach Erzähler landete das Gold in den Stiefeln, die am Kamin zum trocknen standen, oder in den Strümpfen, die ebenfalls zum trocknen an den Kamin gehangen waren.  Diese Legende gilt daher als Vorlage, wieso wir unsere Stiefel zu Nikolaus rausstellen und die Amerikaner zu Weihnachten Socken am Kamin aufhängen.

 

 

Auch hat der uns als Sankt Nikolaus bekannte Heilige eine lange Reise mit einigen Änderungen in der Legende hinter sich. So kommt der Nikolaus bei uns am 06. Dezember und füllt uns die Stiefel. In den Niederlanden und Belgien ist aus Sankt Nikolaus der Sinterklaas geworden. Dieser reitet auf einem Schimmel über die Dächer der Menschen und bringt durch den Schornstein die Geschenke zum 05. bzw. 06. Dezember. Hier ist der Sinterklaas noch in roter Bischofsrobe zu finden und hat, wie bei uns in Deutschland einem weißen Bart. Die niederländischen Auswanderer haben dann in Nieuw Amsterdam, dem heutigen New York, aus Sinterklaas schließlich Santa Claus gemacht. Der braucht gleich einen ganzen Schlitten mit Rentieren, um über die Dächer zu fliegen, hat zwar kein Bischofsgewand mehr an aber die Farben rot/weiß und der Rauschebart sind geblieben und er bringt die Geschenke erst an Heilig Abend. Über England kam dann der Brauch um Santa Claus, oder dem Weihnachtsmann wie wir ihn hier nennen, wieder zurück zu uns und hat damit fast schon überall das Christkind verdrängt, das vor ihm die Geschenke an Weihnachten gebracht hat.

 

Und so sind aus den verschmolzenen Legenden um Nikolaus von Myra und dem gleichnamigen Abt von Sion heute wieder zwei Personen entstanden: St. Nikolaus und der Weihnachtsmann – da hat nur das Christkind das nachsehen…

 


Vom Brügger Gasthaus zur Wallstreet – die Börse

Brügge lag im vierzehnten Jahrhundert am Schnittpunkt zweier großer Handelsimperien, nämlich dem Mittelmeerraum mit den Italienern und dem Gebiet rund um die Nord- und Ostsee mit der deutschen Hanse. Obwohl der Handel in Brügge florierte, waren die Einwohner von Brügge selbst nicht wirklich aktiv daran beteiligt. Zwar boten auch Sie Ihre Waren auf den Märkten der Stadt an, verdienten sich als Käufer, Verkäufer oder Händler aber wer es waren auch Vermittler zwischen den verschiedenen ausländischen Kaufleuten nötig. Diese Die Maklerfunktion wurde oft von den Gastwirten übernommen. Sie boten den ausländischen Kaufleuten nicht nur eine Unterkunft, sondern vertraten sie auch.  Angesichts seiner zentralen Rolle für den Handel war der Beruf des Gastwirts einer der angesehensten Berufe der Stadt.

Eine der bedeutendsten Gastwirtsfamilien war die Familie Van der Buerse. Sie führten über fünf Generationen das Gasthaus „Ter Buerse“, welches  bereits 1285 existierte. Im Verlauf des vierzehnten Jahrhunderts entwickelte sich der kleine Platz vor dem Gasthaus Ter Buerse zum Handels- und Finanzzentrum der Stadt – der Beursplein gehöt heute zum  „Grote Markt“. Die Kaufleute trafen sich täglich auf dem Platz, um dort ihren Handel zu betreiben. Wenn es regnete, stellten sie sich unter den Vordächern der Gebäude auf dem Platz unter oder gingen in das Gasthaus Ter Buerse selbst.

Nach dem Brügge seine Bedeutung als Handelsplatz verlor, verlagerte sich das finanzielle Zentrum im darauf folgenden Jahrhundert nach Antwerpen. Dort sprach man schnell von „der neuen Börse“, ein Platz, auf dem sich die Händler trafen. Von Antwerpen aus fand das Wort „beurs“ seinen Weg nach Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland, wo das Wort zu „Börse“ mutierte.

 

So lebt noch heute in dem Wort „Börse“ die alte brüggische Gastwirtsfamilie fort. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Name und das Wappen der Familie Van der Buerse am Entstehen der Assoziierung zwischen dem Handelsplatz und dem Begriff des Aktienmarkts maßgeblich beteiligt war.


Teddy Roosevelts Bär

oder – Wie der Teddybär zu seinem Namen kam

 

Im Jahre 1902 war Theodore Roosevelt im Mississippi, vorrangig um einem Grenzstreit zu schlichten.
Während seines Aufenthalts nahm er allerdings auch an einem Jagdausflug teil, während dem er unbedingt einen Bären erlegen wollte. Nun wollten wohl aber die Bären dies nicht und liessen sich einfach nicht blicken. Pech für Mr. President… Sein Jagthelfer konnte dies nicht mit ansehen und als ein kleiner Bär seinen Weg kreuzte, band er diesen an einen Baum fest um Mr. Roosevelt den Vortritt zu lassen. Dieser aber wollte nicht auf solch eine Weise an seine Beute kommen und verzichtete darauf den kleinen Bären zu erschießen.

Der findige Karikaturisten Clifford Berryman nahm diese Geschichte zum Anlass seiner Zeichnung, die am 16.11.1902 in der Washington Post mit dem Text „Drawing The Line In Mississippi“ erschien.
Berryman ließ den Bär in den folgenden Karikaturen immer kleiner, runder und niedlicher werden und brachte ihn auf jeder Abbildung mit dem Präsidenten unter. Schnell hieß das niedliche Bärchen bei den Lesern „Teddy´s Bear“ und wurde bald endgültig zum „Teddy Bear“.
Zufällig hatte im gleichen Winter Steiff mit der Produktion von kleinen Bären begonnen, der urspürnglich den Name "55 pb" trug (55 cm groß aus plüsch und beweglich).Ein New Yorker Unternehmen bestellte 3.000 Stück von "55bp" und verkaufte diese in Ihrem Geschäft als Teddybär. So begann der weltweite Siegeszug…

Das traurige Detail der Geschichte: Roosevelts kleiner Bär wurde zwar vom Presidenten verschont, wurde aber von seinem Jagthelfer anschließenddoch noch erlegt …


Die Schwäne von Brügge

In meinem kurzen Reisebericht über Brügge sind auf einigen Fotos Schwäne zu sehen. Jetzt mag man denken, dass die Schwäne einfach in einem Park an den Grachten leben und sich nichts weiter dabei denken, aber es gibt einen Grund, wieso es in Brügge so viele dieser wunderschönen Tiere gibt. 1488 wurde der österreichische Kaiser Maximilian gefangen genommen und musste von seiner Zelle im Haus Cranenburg aus mit ansehen, wie einige seiner treuen Gefolgsleute auf dem Markt öffentlich hingerichtet wurden. Einer von Ihnen war Pieter Lanckhals, dessen Waffen ein Schwan zierte.

 

Vier Monate später wurde Maximilian I von der Armee seines Vaters befreit und die Lage in Flandern stabilisierte sich allmählich. Damit Brügge auf ewig an den unberechtigten Mord an Pieter Lanckhals erinnert wurde, verpflichtete Maximilian I die Stadtverwaltung in alle Ewigkeit Schwäne auf den Brügger Kanälen zu halten.

 


Was haben ein Asteroid und ein Vogel gemeinsam?

Was klingt wie der beginn eines schlechten Witzes hat eine wahre Antwort: James, James Bond

 

Was, wie bitte? Ich fang mal von vorne an, okay?

Am 04.01.1900, frisch ins neue Jahrhundert, wurde ein Mann geboren, dessen Namen auch heute noch jeder kennt. Aber das es sich mehr für Vögel und Fische, statt für Spione und Staatsfeinde interessierte, weiß heute kaum noch einer.
Ja, die Rede ist vom berühmten James Bond - nicht dem Kinohelden sonderm dem realen, dem echten Bond.

 

Geboren und aufgewachsen in Philadelphia, wurde er später Ornithologe, arbeitete als Kurator der Academy of Natural Sciences und interessierte sich sehr für karibischen Vögel.

1936 war er der Erste, der ein umfassendes Werk Birds of the West Indies über die karibischen Vögel zusammenstellte, welches bis heute als Standardwerk auf seinem Gebiet gilt.

 

Um zu erklähren, was James Bond mit 007 zu tun hat, braucht es einen Blick auf Ian Flemming, den Schöpfer der Romanfigur (James Bond war nicht immer nur Kinoheld, sondern war anfangs in Büchern auf Weltrettungsmission). Während des 2. Weltkrieges diente Flemming in der britischen Marine als Verbindungsoffizier zum US-Geheimdienst und hatte während der letzten Kriegsjahre einen kurzen Aufenthaltes  auf Jameinka. Er war so beeindruckt von der üppige Flora und Fauna der Insel, dass er dort sofort ein Strandgrundstück kaufte, ein Haus entwarf und es Goldeneye nannte. Hier verlebte er später die kalten Wintermonate und wenn er nicht gerade an seinem Romanen arbeitete oder sich seinen Affären witmete, gab er sich seinem Lieblingshobby, den Vögeln hin. Er beobachtete ihr Verhalten und studierte viele Bücher über die karibischen Vögel.

 

Dabei kam er an Bonds Standardwerk Birds of the West Indies natürlich nicht vorbei. Und wie es der Zufall wollte, war er gerade auf der Suche nach einem gewöhnlichen, durchschnittlichen Namen für seine Hauptfigur in dem Agentenbuch „Casino Royal“. „James Bond“ war perfekt! Später schrieb er Bonds Frau: „Es fiel mir auf, dass dieser kurze, unromantische, angelsächsische und vor allem maskuline Name genau das war, was ich brauchte, und so wurde ein zweiter James Bond geboren.“
Viele Jahre und Bücher später, nach dem bereits der 2. Bond-Film in den Kinos war, trafen sich der Ornithologe und der Schriftsteller persönlich im Februar 1964, nach dem Sie bis dahin nur die Bücher des jeweils anderen gelesen hatten. Als Geschenk übergab Ian Fleming dem Vogelkundler seinen neuesten Roman, der die Widmung “To the real James Bond, from the thief of his identity” (deutsch: „Dem wahren James Bond vom Diebe seiner Identität“) trug.
Viele weitere Jahre, Bücher und Filme später, der echte Bond war mittlerweile seit 13 Jahre verstorben, gibt es in dem Film „Stirb an einem anderen Tag“ eine Anspielung auf den echten Bond. Der Spion Bond gibt sich auf Kuba als Ornithologe aus und hat das Standardwerk seines Namensgebers in der Hand.

 

Aber Bond gab nicht nur der Roman- und Filmfigur seinen Namen, er selbst sammelte Zeit seines Lebens Fische in Grenada, von denen 2 bis dahin noch unentdeckt waren und nach ihm benannt wurden: „Ariomma bondi“ und „Malacoctenus bondi“. Desweiteren erreichte er mir seiner Arbeit nicht nur Hobby-Ornitologen und Schriftsteller, sonder auch Mitglieder seiner eigenen Zunft. Eine Unterart des Sperlings, der Drossel und der Schleiereule wurden ebenfalls zum Gedenken nach ihm benannt.

 

Und wie kommt der anfängliche Asteroid ins Spiel?

 

Am 05.10.1983 wird ein bis dahin unbekannter Asteroid im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter entdeckte. Der tschechische Astromon, ein anscheinend begeisteter Leser von Ian Fleming, benannte dieser Asteroiden Fleming zu Ehren nach seiner berühmten Romanfigur: (9007) James Bond.

 

Ob der echte Bond zum Zeitpunkt seines Todes wohl wußte, dass mehrere Vogelunterarten, zwei Fische, eine Roman- und Filmfigur und ein Asteroid nach ihm benannt wurden? Und dies alles trotz seines „so gewöhnlich wie möglich“-en Namens?


„Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“

Wer dieses Zitat kennt, hat entweder ein gutes Gedächtnis für witzige Anekdoten oder er muß sich als Physik-Geek outen, denn dieser Satz hat eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des Telefons.

1860/61 arbeitete der deutsche Lehrer Philipp Reis an einem Gerät für  elektrische Sprachübermittlung. Ursprünglich wollte Reis eigentlich nur besser verstehen, wie das Gehör funktioniert und entwickelte dabei die Grundlage des heutigen Telefons. Natürlich muss man aus heutigen Sicht seine Arbeit im Zusammenhang mit einigen anderen Erfindern wie Samuel F.B. Morse und Alexander Gaham Bell sehen aber wer weiß… Hätte er seine Erfindung weiter ausgearbeitet und wäre er nicht bald sehr krank geworden,  vielleicht würde heute keiner mehr Alexander Gaham Bell kennen.

Denn 1861 war Reis soweit seinen Apparat vorzustellen. Bevor er ihn aber am 26. Oktober 1861 in Frankfurter dem Physikalischen Verein vorstellte, gab es eine Generalprobe vor einigen Freunden und Kollegen in seinem Haus. Dabei saß sein Schwager in einem Nebenraum und las aus einem Buch vor. Reis hörte diese Worte durch einen Apparat und wiederholte die gehörten Worte seinen Zuschauern. Einer dieser Zuschauer behauptete aber, Reiss kenne das Buch vielleicht auswendig und ging daher seinerseits in den Nebenraum um selbst etwas in diesen Apparat zu sprechen, was Reis verstehen mußte.

Damit Reiss, falls die Worte nur unvollkommen ankamen, nicht erraten konnte was gesprochen wurde. war der erste in ein Telefon gesagte Satz: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“. Reis verstand zwar nicht genau was das Pferd nicht frisst und dachte die Sonne sei aus Zucker (Originalsatz „Die Sonne ist von Kupfer“), aber die Zuschauer war dennoch überzeugt.

Bis zur Aufführung in Frankfurt war der Apparat mehrfach verändert worden. Die Mitglieder des Physikalischen Vereins erlebten mit, wie zwei Assistenten in einem anderen Raum musizierten. Einer sang und einer spielte Horn. Musik war mit dem Reis-Telefon nähmlich etwas besser zu verstehen als reiner Text.

Der Physikalische Verein half ihm darauf hin bekannt zu werden und vermittelte Reis weitere Auftritte und Veröffentlichungen. Ebenso brachten sie ihn auch mit einem Frankfurter Mechaniker zusammen, der das Telefon in Serie produzierte und für 21 Gulden in alle Welt verkaufte. Dennoch war Reis enttäuscht und legte seine Mitgliedschaft in Verein nieder, denn er hatte sich erhofft, dass der Verein mehr für die Vermarktung seiner Erfindung tun würde, auch wenn das nicht die Aufgabe des Vereins war.

Die ersten Käufer seiner Erfindung waren Fachleute, unter anderem Mr. Bell. Dieser entwickelte Reiss Erfindung weiter, vereinte Sender und Empfänger zu einem Gerät, so dass die Kommunikation in beide Richtungen funktionierte, und ließ sich das Telefon zweite Jahre nach dem Tod von Philipp Reis patentieren. Da er das Patent angemeldet hat, gilt Bell heute als Erfinder des Telefons.

Aber eigentlich hat Philipp Reis dies schon Jahre vorher erfunden und seine Erfindung mit den nicht Gurkensalat fressenden Pferden eingeweiht.


Von zwei Toren und Kriegen

Dies ist eine Geschichte, wie zwei Schlachten zwei Tore an zwei gegenüberliegenden Seiten des Deutschen Reichs im 19. Jahrhunert beeinflußten.

 

Nun, der Anfang unserer Geschichte startet in Berlin, wo nach der verloren Schlacht bei Jena 1806 Napoleon die Quadriga des berühmten Brandenburger Tors als Kriegsbeute nach Paris bringen lies. Während die Berliner nun also jahrelang dazu verdammt waren, von dem geschändeten Tor an die Niederlage bei Jena erinnern zu werden, hatte Napoleon der Plan die Quadriga mit anderen Kunstgegenständen als Kriegsbeute auszustellen. 

 

Dazu sollte es aber nicht mehr kommen denn 1814 unterlag Napoleon, wie den meisten bekannt, in der Schlacht von Waterloo endgültig den Alliierten. Die Truppen fanden nun die Quadriga immernoch in Kisten verpackt in Paris, als ob sie gerade frisch eingetroffen wären. Der für Paris verantwortliche preußische Kommantent Ernst von Pfuel veranlasste und überwachte die Rückkehr des Viergespanns nach Berlin, wo es nach einer Restauration und leichten Umgestaltung (die Figur der Wagenlenkerin wurde Siegesgöttin Viktoria) wieder auf dem Brandenburger Tor platziert werden sollte.

Der Weg dahin war allerdings ein langer und beschwerlicher. Von Paris bis Berlin liegen circa 1000km und viele kleine Orte, die die Quadriga passieren mußte. Einer davon war das heutige Mettmann, ein damals kleiner aber wachsender Ort im Großherzogtum Berg mit knapp 4000 Einwohnern. Von Düsseldorf kommend, mußte nun die Quadriga durch Mettmann hindurch. Allerdings stand das letzte erhaltene Stadttor des Ortes im Weg. Mettmann hatte damals schon längst die Ausmaße der früheren Stadtmauern gesprengt, aber das alte Stadttor stand immer noch an der damaligen Hauptstraße. Das Tor gestattete dem Kunstwerk nicht den Durchgang, es war einfach zu klein, und wurde daher kurzerhand niedergerissen. Ob es Versuche gab, das alte Stadttor zu erhalten oder ob sich niemand darum scherte, ist heute leider nicht mehr bekannt.

 

Und so führte die Zerstörung eines kleinen Stadttors zum wiedererwachten Glanz eines anderen Stadttors, welches mit der ersten „Retourkutsche“ (daher die Redensart) der Welt gekrönt, heute tägich von hunderten von Touristen bewundern wird.


Mythen meiner Heimat

Viele Myhten, Märchen und Sagen ranken sich um ihn, viele neue Geschichten in Form von Filmen und Serien sind bis zum heutigen Tage entstanden und werden noch ausgedacht… Es geht um den berühmt und berüchtigten Dracula, den Fürsten der Finsterniss, der Urvampir schlechthin.

 

Die Geschichten um Vampire haben mittlerweile Auswüchse angenommen, die mit den früheren Aberglauben und Mythen  und später mit den ersten niedergeschriebenen Geschichten (unter anderem Bram Stoker’s Dracula) nicht mehr viel gemein haben, wenn man zum Beispiel an Twighlight und bei Tageslicht glitzernde Schönlingen denkt.

 

Doch was ist da eigentlich dran, was ist Mythos und was basiert auf Tatsachen?

 

Vieles der heutigen Vampirgeschichten basiert auf dem im 15. Jahrhundert verbreiteten Aberglaube (unteranderen in Transilvanilen – heutiges Rumänien – verbreitet), dass aus ihrem Grab auferstandene Tote Krankheit und allerlei Unglück übers Dorf bringen. Kam die Pest über den Ort oder Kinder verschwanden, so wurde der Friedhof nach verdächtigen Gräbern abgesucht. Fand man solche (und wenn man wollte dann fand man auch was) grub man den Toten wieder aus und töten ihn erneut, beispielsweise durch Verbrennung oder Enthauptung.

 

Ja so einbischen klingt das schon nach unseren heutigen Vampiren, aber irgendwie fehlt noch was… Wo bleibt der blutsaugende und hübsche Damen in den Hals beißende Fürst der Dunkelheit?

Tja, Dracula gab es tatsächlich und ja er herrschte unteranderem in Transilvanien und war als blutrünstiger Fürst gefürchtet.

Hierbei handelt es sich um Vlad III. (1431-1476), der damals den Beinamen Dracula – Sohn des Drachen – führte. Dies geht auf den Ordensnamen seines Vaters Vlad II. genannt Dracul (rumänisch Drache) zurück, da dieser Mitglied des österreichischen Drachenordens war. Dass in der rumänischen Sprache „Drac“ auch „Teufel“ bedeutet, stelle sich später als sehr passend, sowohl für den Vlad III. als auch für den Mythos Dracula heraus.

Vlad der III. hatte es allerdings nicht leicht in seinem Leben. Zu der Zeit war das heutige Rumänien ein stark umkämpftes Gebiet. Auf der einen Seite die Ungarn, dann die verschiedenen rumänischen Adelsfamilie und auf der anderen Seite die immer mehr nach Europa drängenden Türken. Nachdem sich der Vater Vlad II. den Türken unterwarf, musste der kleine Dracula mit seinem kleineren Halbbruder als politische Geisel an den Hof des Sultans. Auf Grund seines Dickkopfs machte er sich nicht gerade viele Freunde und wurde immer wieder ausgepeitscht. Sein Halbbruder war da etwas gewiefter und schmeichelte sich am fremden Hof ein. Das förderte natürlich weder Draculas Verhältnis zur seiner Familie (sein Halbbruder arbeitet gegen ihn, sein Vater gibt ihn als Faustpfand weg), noch zu den Türken, noch machte es ihn zu einem sanften und nachgiebigen Menschen - im Gegenteil!

Nachdem viele Jahre später sein älterer, noch zu Hause verbliebener Bruder nach dem Tod des Vaters grausam ermordet wurde (lebend begraben) und die Türken den heutigen Süden von Rumänien besetzen, wurde Dracula von den Türken als Fürst und Nachfolger seines Vaters eingesetzt, dachten doch die Türken sie hätten den seit Jahren als Geisel gehaltenen kleinen Jungen mittlerweile unter Kontrolle.  Dies funktionierte allerdings nur sehr kurz, da die Walachei kurzdarauf von irgendeiner unbedeutenden Adelsfamilie erobert wurde und Dracula fliehen musste. Da er nun endlich die Türken los war, arbeitete er nun fortan gegen seine früheren Peiniger und konnte die Ungarn von seinem Nutzen überzeugen. Spätestens als sein Halbbruder Sultan wurde, verschmolzen Bruderhass und Türkenhass. So kämpfte Dracula vortan noch leidenschaftlichen gegen die Besetzer seiner Heimat und nach einem erfolgreichen Feldzug 1456 herrschte Dracula wieder, diesmal ohne Einfluss seiner verhassten früheren Peiniger.

Um seine Macht zu sichern und seine Gegner einzuschüchtern ging Dracula sehr grausam vor. Meist wurden Gegner zur Abschreckung gepfählt und tagelang vor den Stadttoren hängen gelassen. Er zeigte wenig Gnade mit Feinden, was ihm schnell den Beinahmen Vlad der Pfähler einbrachte.

Tja, und so mischten sich in den nächsten Jahrhunderten der frühere Aberglaube mit den Geschichten über den grausamen und blutdurstigen Fürsten, dessen blutleere Opfer merkwürde Male am Hals behielten, und wurden etwa 400 Jahre später in Bram Stokers „Dracula“ zum Grundstein der heutigen Filme und Serien.

 

Auch wenn nicht mehr viel vom dem echten Fürsten übergeblieben ist, seinen Namen werden wir so schnell nicht vergessen…